MRT-Aufnahme der Halswirbelsäule eines Patienten ohne neurologische und mit geringfügigem orthopädischem klinischem Befund (leichte Rotationseinschränkungen bds.), aber mit erheblichen Bewegungseinschränkungen beider Schultergelenke und ausstrahlenden Symptomen in beiden Armen. Schwere Missbildungen der Halswirbel schädigen das Nervensystem und verursachen die ausstrahlenden Beschwerden laut dem radiologischen Befund. Mehrfache Operationen führten zu keiner Verbesserung der klinischen Symptome. Professionelle Übungsbehandlungen verbesserten sowohl die Beweglichkeit der Schultergelenke als auch die ausstrahlenden Symptome erheblich (mit Zustimmung des Patienten, Daten dem Autor bekannt).

klinische versus radiologische Diagnostik

Die Macht des Bildes

Ärzte und Physiotherapeuten fokussieren bei der Befunderhebung von Rückenschmerzenzu einseitig auf die Wirbelsäule mit ihren Bandscheiben 

Die Macht des radiologischen Bildes, verstärkt durch die rasante medizinisch-technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat in der Orthopädie dazu geführt, dass Diagnosen bei Rückenschmerzen fast ausschließlich auf bildgebenden Verfahren der Wirbelsäule basieren. Auch Physiotherapeuten fokussieren hierbei noch zu einseitig auf die Wirbelsäule.

Mehrere Forscher weisen jedoch auf das Fehlen einer klaren Korrelationzwischen radiologischen Ergebnissen und den klinischen Symptomen hin, was sich in den Leitlinienfür medizinische und paramedizinische Berufe widerspiegelt.

Die offizielle Bezeichnung "a-spezifischer Rückenschmerz" weist zudem darauf hin, dass für die meisten Rückenbeschwerden trotz der oft erhobenen Bildgebung keine eindeutige Ursache gefunden werden kann.

Offensichtlich ist eine (radiologische) Diagnostik, die sich ausschließlich auf die Wirbelsäule konzentriert, nicht ausreichend, um wirklich effektive Behandlungsziele zu formulieren. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum die Ergebnisse der aktuellen chirurgischen, konservativen (Bewegungstherapie) und pharmazeutischen Behandlungen von Rückenbeschwerden enttäuschen.

Für eine effektive Behandlung ist eine solide Diagnose eine gründliche Voraussetzung.

PhysioNovo betont daher, dass

  • nur klinische Befunde Auskunft über Funktion und Kondition (Schmerz – Mobilität – Kraft) des Bewegungsapparates geben.
  • nur radiologische Befunde Auskunft erteilen über anatomische Strukturen des Gewebes – Es muss kein Zusammenhang mit klinischen Symptomen bestehen – sie werden primär wichtig bei Erwägung chirurgischer Rekonstruktionen.
  • Gewebestruktur ist der Funktion und Kondition untergeordnet.
  • klinische Befunderhebung deckt enge Zusammenhänge zwischen Symptomatikund Ergebnissen motorischer Befundeauf. Dies führt zu soliden Diagnostik und realen Behandlungszielen.

Neuropathiser - nozizeptiver Schmerz

Der Begriff neuropathischer / Nervenschmerz basiert auf einer hypothetischen und wissenschaftlich nicht bestätigten Annahme aus dem 18. Jahrhundert, dass Nervenfasern durch übermäßige mechanische spontan depolarisieren können und so "Nervenschmerzen" (neuropathische Schmerzen) verursachen. Durch so eine Depolarisation könnte ein hypothetisch vorhandenes autonomes schmerz-produzierendes System innerhalb des zentralen Nervensystems aktiviert werden. Diagnosen wie das lumboradikuläre und zervikoradikuläre Reizsyndrom sind aktuelle Beispiele für diese überholte Sichtweise.

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft können Nervenfasern bei mechanischer Beanspruchung nicht depolarisieren, sie dienen lediglich der Weiterleitung der Aktionspotentiale. Und diese können nur in Sinnesorganen erzeugt werden.

Schmerz ist also immer nozizeptiver Art.

Tierversuche zeigen, dass eine geringe mechanische Dehnung oder Kompression von wenigen Gramm (25 bis 50 g) an peripheren Nervenfasern zu irreparablen Schäden (sensorische und/oder motorische Defizite) führt. Die Schädigung des peripheren Nervengewebes ist in der Regel irreversibel denn verletztes Nervengewebe erholt sich kaum.

Diese wissenschaftliche Tatsache hat große Konsequenzen für die klinische Diagnostik. Das zervikale und lumbale Reizsyndrom, intervertebrale Stenosen und Hernien verlieren einen großen Teil ihres diagnostischen Wertes. Das vielfältige Bild von ausstrahlenden Beschwerden in Armen und Beinen wie Parästhesien, reversibler Kraftverlust, subjektives Taubheitsgefühl kann nicht mehr als Neuropathischer Schmerz erklärt werden. 

Die Wirbelsäule - ein unzerstörbares Gerüst

Die Wirbelsäule ist so gebaut, dass sie schwere Lasten tragen und hohe Belastungen der Arme und Beine absorbieren kann. Beste Beispiele für diese besonders hohe Belastbarkeit sind im (Hoch-)Leistungssport zu finden.

Die stabile Konstruktion der einzelnen Bausteine (Wirbelkörper, Bandscheiben, Längsbänder), angeordnet in einer hochbelastbaren Doppel-S-Form und kombiniert mit einer geringen Bewegung der einzelnen Bausteine, ermöglichen diese sehr hohe Belastbarkeit.

Darüber hinaus bietet die Wirbelsäule einen hervorragenden Schutz für das Rückenmark und die austretenden peripheren Nerven. Bestes Beispiel für diese Schutzfunktion sind schwere Skoliosen mit außergewöhnlicher Wirbelsäulenverbiegung ohne neurologische Symptome. 

Die Wirbelsäule selbst ist durch ein ausgeklügeltes Netzwerk von hochsensiblen und extrem starken Bändern und Kapseln in Kombination mit dem knöchernen Bau der Wirbelkörper und Bandscheiben effektiv geschützt.

Im Gegensatz zu dieser robusten Konstruktion zeigen radiologische Bilder eine verletzliche Wirbelsäule, an der häufig Auffälligkeiten zu beobachten sind. Verengungen der Foramina intervertebralis welche zur Einklemmung austretender Nerven führen, Bandscheibenprotrusionen, Wirbelfrakturen ohne traumatische Ursache (Osteoporose), Hernien und Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) sind häufige Diagnosen von Rückenschmerzen. Klinische Untersuchungen bestätigen diese Anfälligkeit nicht. 

Gelenke - Pfeiler der Motorik

Die Vielseitigkeit der menschlichen Motorik wird maßgeblich durch die dynamischen Bewegungen der Arme und Beine und damit indirekt durch die Beweglichkeit der Schulter- und Hüftgelenke bestimmt. Die Wirbelsäule hat eine überwiegend statische, stützende und verbindende Funktion. Ein stabiler Rumpf bildet eine gute Basis für die einzelnen Arm- und Beinbewegungen und verbindet diese gleichzeitig.

Gelenke haben die Fähigkeit, sich an eine ausgeglichene Belastung anzupassen. Bei richtiger Dosierung der Belastung und unter Berücksichtigung ihrer Tragfähigkeit kann sich die gelenkige Belastbarkeit enorm erhöhen.

Gleichzeitig sind sie aber durch ein ausgeklügeltes artikulär - neurologisches System äußerst sensibel. Eine Über- oder Fehlbelastung führt sofort zu einem Leistungsabfall, Gelenk- und Ausstrahlungsschmerzen und Kraftverlust.

Ist die Belastung jedoch zu gering, werden die Gelenke ebenfalls krank. Eine moderate, aber vor allem richtige Belastung ist notwendig, um die Gelenke gesund zu halten.

Gelenkeinschränkungen, wie gering auch immer, führen sofort zu einer kompensatorischen motorischen Aktivität, meist in der Wirbelsäule. Dies beeinträchtigt seine aktive Stabilität und kann zu Rückenschmerzen führen.

PhysioNovo baut die Belastung eines Gelenks unter Berücksichtigung seiner physiologischen Belastbarkeit entsprechend den biomechanischen Eigenschaften des Gelenks auf. So kann die motorische Leistungsfähigkeit auf sichere Weise verbessert werden, Muskelkater entsteht seltener und Schmerzen in den Gelenken und Gliedmaßen werden gelindert.

PhysioNovo basiert auf dem artikulär-neurologischen System von subchondralen Knochen, Bändern und Gelenkkapseln und berücksichtigt die funktionellen Beziehungen zwischen Knochen, Gelenken, Muskeln und Faszien.

Neben den beweglichen Schulter- und Hüftgelenken gibt es noch die leicht beweglichen Iliosakral- (SI), Skapulo- Thorax- (ST) und vertebro-diskale Gelenke. Diese Gelenke spielen aufgrund ihrer biomechanischen Struktur und ihrer funktionell engen Verbindung mit den großen Gelenken eine wichtige Rolle beim Entstehen von Rückenschmerzen.